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Leipzig - Achim Beierlorzer hat bei RB Leipzig das Erbe von Alexander Zorniger als Trainer angetreten. Im Interview mit bundesliga.de erzählt der gebürtige Franke, was die Ziele des Vereins sind, warum das Spitzenspiel gegen den KSC so schwer wird und äußert sich zur Trainerfrage bei dem ambitionierten Zweitligisten.

bundesliga.de: Herr Beierlorzer, wie sehen Sie das DFB-Pokal-Spiel gegen Wolfsburg mit ein wenig Abstand?

Achim Beierlorzer: Ich bin nach wie vor vollauf zufrieden. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und uns lange Zeit auf Augenhöhe mit einer absoluten Spitzenmannschaft bewegt. In Sachen Effizienz war uns der VfL Wolfsburg aber mehr als eine Nasenlänge voraus.

bundesliga.de: Dass die Tore nicht gemacht wurden, ist der einzige Wermutstropfen?

Beierlorzer: Ich kann meiner Mannschaft auch da keinen Vorwurf machen. In der einen Situation kommt der Ball in ganz spitzem Winkel aufs kurze Eck, und da steht dann mit Diego Benaglio ein absoluter Klassemann. Da kann man nicht von einer Chance sprechen, die ein 18-Jähriger unbedingt reinmachen müsste.

"Zorniger hat beschlossen, den Weg sofort frei zu machen"

bundesliga.de: Lässt das Spiel Rückschlüsse darauf zu, wie weit Ihr Team noch von Erstliganiveau entfernt ist?

Beierlorzer: Das war nun wirklich gar nicht der Blickwinkel, unter dem wir das Spiel analysiert haben. Uns geht es jetzt nur darum, in der Erfolgsspur zu bleiben und ein paar Dinge umzusetzen, an denen wir noch eine Weile werden arbeiten müssen: Eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive zum Beispiel.

bundesliga.de: Bundesweit hat man die Beurlaubung von Alexander Zorniger schon als Beweis interpretiert, dass RB möglichst noch in dieser Saison aufsteigen will.

Beierlorzer: Das wäre aber eine Fehlinterpretation. Man wollte eine gewisse Entwicklung in der Mannschaft sehen, eine spielerische Entwicklung. Alexander Zorniger hat dann beschlossen, sofort den Weg frei zu machen, als ihm eröffnet wurde, dass man im Sommer auf einen neuen Trainer setzen würde.

"Es ist nicht abgemacht, dass ich automatisch ins zweite Glied zurücktrete"

bundesliga.de: Wie sieht denn Ihre persönliche Zukunft aus? Ist es denkbar, dass Sie auch über die Saison hinaus Cheftrainer bleiben?

Beierlorzer: Ich bin bis zum 30. Juni hier Cheftrainer, irgendwann wird man sich zusammensetzen und über die Zeit danach sprechen. Feste Absprachen gibt es nicht, es ist also auch nicht abgemacht, dass ich automatisch am Ende der Spielzeit ins zweite Glied zurücktrete. Mir geht es aber auch um etwas anderes: ich wollte unbedingt in diesem Verein bleiben und hier mithelfen, etwas aufzubauen.

bundesliga.de: Da haben Sie ja offenbar jede Menge Augenzeugen in der Stadt: Der Zuschauerschnitt bei den Zweitligaspielen...

Beierlorzer: ... ist phänomenal. Über 25.000 Zuschauer im Schnitt übertreffen wirklich die kühnsten internen Erwartungen. Hier ist etwas entstanden, das merkt man auch, wenn man - wie ich - in Leipzig wohnt und ständig freundlich angesprochen wird. Es passiert oft, dass man an einer Kreuzung steht und jemand an der Ampel gegenüber reckt einem den erhobenen Daumen entgegen.

"Wir sind wild entschlossen"

bundesliga.de: Am Montag geht es zum Karlsruher SC - ein Team, das überraschend gut in der Tabelle dasteht und sich viel vorgenommen hat. Wie schätzen Sie die Karlsruher ein?

Beierlorzer: Das ist eine gewachsene, gut eingespielte Mannschaft mit einigen guten Fußballern in ihren Reihen. Markus Kausczinski hat es wieder geschafft, eine funktionierende Mannschaft zusammenzustellen. Wir stehen also vor einem schweren Spiel, sind aber wild entschlossen, unseren Weg auch in Karlsruhe weiterzugehen.

Das Gespräch führte Christoph Ruf