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München - Der selbsternannte Reiseleiter des SSV Jahn Regensburg sah sich kurzfristig noch zusätzlicher Arbeit ausgesetzt. "Vielleicht muss jetzt der eine oder andere noch nachbuchen, aber es wird auf jeden Fall Malle gerockt", sagte Marc Lais. Die Saisonabschlussfahrt nach Mallorca war schon vorher geplant, den Aufstieg in die 2. Bundesliga hatte Lais dabei aber nicht einkalkuliert.

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Der 26-Jährige trägt eine "Mitschuld" daran, dass der Sommerurlaub der Oberpfälzer ein richtiger Party-Trip wird. Am vorletzten Drittliga-Spieltag schoss Lais in der 90. Minute gegen den Chemnitzer FC das Siegtor und führte Regensburg damit auf den Relegationsrang. In den beiden Partien gegen den TSV 1860 München glänzte der defensive Mittelfeldspieler sowohl beim 1:1 im Hinspiel als auch beim 2:0-Sieg im Rückspiel am Dienstag als Torschütze.

"Alle in der Mannschaft sind Helden"

Als alleiniger Aufstiegsheld wollte er sich aber nicht bezeichnen. "Alle in der Mannschaft können sich als Helden bezeichnen. Was wir in dieser Saison erreicht haben, hätte uns vorher keiner zugetraut", sagte Lais. Der Teamgedanke ist der wichtigste Faktor des Regensburger Erfolgs, der prominenteste trägt den Namen Heiko Herrlich.

Als der frühere Bundesligaprofi, der mit Borussia Dortmund die Champions League gewann, Anfang 2016 das Traineramt beim Jahn übernahm, lag die Mannschaft auf Platz zwei der Regionalliga Bayern. Herrlich führte die Rot-Weißen als Tabellenerster in den Playoffs. Dort gelang gegen Wolfsburg II die Rückkehr in die 3. Liga. Nun schaffte der Jahn nach RB Leipzig und den Würzburger Kickers als erst dritter Club seit Gründung der Spielklasse den direkten Durchmarsch in die 2. Bundesliga.

Herrlich plant schon für den Klassenerhalt

"Ich bin so glücklich darüber, die vielen freudigen Gesichter meiner Mannschaft und der Fans zu sehen", sagte der Herrlich. "Es freut mich, Teil dieser Gemeinschaft bei Jahn Regensburg zu sein. Das erfüllt mich mit großer Demut und Dankbarkeit." Und während seine Spieler in der Kabine lautstark den Aufstieg feierten, dachte Herrlich schon an die Planungen für die kommende Saison. Am Donnerstag trifft er sich mit dem Sportlichen Leiter Christian Keller um 8 Uhr im Büro, "um alles bestmöglich vorzubereiten und Strategien zu entwickeln, um die zweite Liga zu halten", sagte der Trainer. "Ich weiß, dass mit Erfolgen auch die Erwartungen steigen - auch in Regensburg."

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Schließlich soll die 2. Bundesliga im dritten Anlauf mehr als nur ein einjähriger Kurzbesuch werden. Am Ende der ersten Zweitliga-Saison 2002/03 stieg der Jahn als Sechzehnter direkt wieder ab. 2012 gelang unter Markus Weinzierl die Rückkehr, nachdem man sich in der Relegation gegen den Karlsruher SC durchgesetzt hatte. Wieder ging es allerdings nur ein Jahr später zurück in die 3. Liga. 2015 folgte von dort gar der Sturz in die Regionalliga Bayern.

Regensburg als zweite Chance

"Niemand hätte vor zwei Jahren geglaubt, dass wir jetzt wieder in der zweiten Liga sind", sagte Jann George. "So ganz kann ich es noch nicht fassen." Der Offensivmann ist ein gutes Beispiel für den Regensburger Erfolg. In seinen jungen Jahren ist der frühere Nürnberger schon viel herumgekommen, war nach einem kurzzeitigen Engagement bei 1860 München sogar einige Monate vereinslos und fand über die Station Greuther Fürth schließlich 2015 seine fußballerische Heimat in Regensburg. "Wir haben viele Leute in der Mannschaft, die vielleicht mal gescheitert sind, aber noch Gier hatten, mehr zu machen, Spiele zu gewinnen und aufzusteigen", sagte der 24-Jährige. "Das hat uns dieses Jahr ausgezeichnet."

Einer davon ist Erik Thommy. Dem 22-Jährige blieb beim FC Augsburg bislang der Durchbruch verwehrt, daher entschied sich der Linksaußen im vergangenen Sommer zu einer Leihe nach Regensburg. "Ich habe vor einem Jahr zu ihm gesagt, wenn du zu uns kommst, musst du mit uns verheiratet sein", sagte Herrlich. "Er hat das wirklich gelebt und sich sportlich weiterentwickelt, weil er sich sehr wohlgefühlt hat bei uns." Mit acht Toren und sieben Vorlagen zählte Thommy in der abgelaufenen Saison zu den Topscorern beim Jahn. Am Dienstag leitete seine glänzende Vorarbeit zum 1:0-Führungstreffer durch Kolja Pusch den Sieg ein. "Es ist einfach der Wahnsinn, was diese Mannschaft über die gesamte Saison hinweg geleistet hat", sagte Thommy.

Fans empfangen ihre Aufstiegshelden

Auf seinem T-Shirt prangte der Slogan: "Und wir geben niemals auf!" Das Motto beschreibt treffend die Herangehens des Teams, das in der Hinrunde sogar mal bis auf den 14. Tabellenplatz abgerutscht war. Zugleich sprechen die Worte auch für die Bodenständigkeit des Clubs, schließlich hätte man die T-Shirts durchaus auch im Falle eines verpassten Aufstiegs verwenden können.

Bei den Feierlichkeiten in der Arena hielten sich die Regensburger noch etwas zurück. "Bisher ist noch kein Bier im Spiel, ich weiß auch nicht, was da los ist. Fühlt sich wohl keiner zuständig", sagte Lais kurz nach dem Abpfiff. "Ich denke, das wird noch im Laufe des Abends kommen." Spät in der Nacht wurden die Aufstiegshelden bei ihrer Rückkehr nach Regensburg von den euphorischen Fans empfangen, gefeiert wurde dann bei einem teaminternen Essen. Und als Höhepunkt der Aufstiegsparty folgt ja noch die Reise nach Mallorca.

Aus München berichtet Maximilian Lotz