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Köln - Im Jahre 1912 sah die Welt noch ganz anders aus. In Deutschland herrschte ein Kaiser, der nicht Beckenbauer hieß, die "Titanic" versank im Nordatlantik und Hermann Möws erblickte das Licht der Welt.

Während die Monarchie in Deutschland schon lange Geschichte ist und die Titanic am Meeresgrund vor sich hin rostet, erfreut sich Möws bester Gesundheit. Anfang Oktober feierte er in einem Seniorenwohnheim in Berlin-Reinickendorf seinen 100. Geburtstag. Unter den Gratulanten war auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU).

Berliner Meisterfeier 1930



Interessiert lauschte der Politiker den Geschichten aus Möws bewegtem Leben. Seit frühester Kindheit besaß Hertha BSC einen großen Stellenwert im Leben des Jubilars. Mit leuchtenden Augen erzählte der fröhliche Senior, wie die Hertha 1930 nach zuvor vier verlorenen Endspielen in Folge endlich Deutscher Meister wurde. Auch 1930 wussten die Fans schon zu feiern.

Ein Jahr später durfte sich der 18-jährige Möws erneut über den Titel freuen. Bis heute blieben es die einzigen für die Hertha. Umso schöner sind die Erinnerungen. Später half er als Zementfahrer mit, das Olympiastadion zu errichten.

Einzigartiges Hertha-Trikot



Inspiriert von Möws Geschichten fragte Balzer bei Hertha BSC an, ob man dem langjährigen Anhänger nicht nachträglich eine Freude zum Geburtstag machen könnte. Der Klub sicherte sofort seine Unterstützung zu. So besuchte Balzer kurze Zeit später erneut das Seniorenheim und überreichte Hermann Möws ein ganz besonderes Geschenk: Ein Hertha-Trikot mit seinem Namen und der Nummer "100". "Ich werd‘ verrückt." waren Möws erste Worte, als er das Trikot sah. Er war sichtlich gerührt.

Kurzentschlossen streifte er sich das Trikot über und stimmte die einstige Hertha-Hymne "Blau-Weiße Hertha" an. "Blau-Weiße Hertha, du bist unser Sportverein. Blau-Weiße Hertha, du wirst es für immer sein." schmetterte Möws voller Inbrunst. Anschließend stellte er sich vor den Spiegel und stellte fest: "In dem Trikot sehe ich ja gleich viel jünger aus." Und wer möchte ihm da widersprechen? Wäre da nicht die verräterische Rückennummer, könnte er locker in jeder U90-Auswahl mitspielen, ohne dass jemand Verdacht schöpfen würde.

Florian Reinecke